Toskana-Reise, Tag 6

Der heutige Tag soll so richtig toskanisch werden. Zunächst fahren wir mit dem Bus durch die einmalige Landschaft der Balze. Das sind Felsformationen aus gelbem Sandstein, die durch Erosion als skurile Felsnasen aus dem Boden ragen. Leider können wir nicht alle Teile dieser Naturschönheiten mit dem Bus erreichen. Durch die Erklärungen unserer Reiseleiterin sind wir aber auch so gut im Bild.

Im Anschluss geht es nach Terranouva Bracciolini, eine kleine Gemeinde im Arnotal, einst von den Florentinern gegründet. Hier findet jährlich Ende September die „Fiesta del Perdono“ (Vergebungsfest) statt. Eine Mischung aus Volksfest, Landwirtschaftsausstellung, Markt und noch so einigem mehr. Die ganze Region ist hier auf den Beinen. Es wird geschlemmt, gefeilscht, gefeiert und man ist so richtig drin in der Toskana, denn diese Mega-Party ist touristisch noch nicht erschlossen. Neben den vielen Marktständen auf den für den Autoverkehr gesperrten Straßen gibt es die „Fiera degli Ucceli“, einen Vogelmarkt. Hier werden Nutz- und Ziervögel aller Art angeboten. Hühner, Enten, Tauben, Papageien, bunte Finken, Fasanen usw. Daneben gibt es Schafe, Kaninchen, Schildkröten, Zierfische und viele andere Tiere zu bestaunen. Sogar einen Wettbewerb für Vogelstimmenimitatoren gibt es. Eine tolle Veranstaltung, deren Besuch sich wirklich gelohnt hat.

Von Terranouva aus geht es wieder in Richtung unseres „Hausgebirges“ Pratomagno. Über die malerischen Orte Penna, Loro Ciuffenna, San Giustini Valdarno und Castiglion Fibocchi geht es durch Weinberge und Olivenhaine mit vielen Informationen über Land und Leute aus dem Mund unserer Reiseleiterin bis nach Arezzo. Kurz vor der Stadt passieren wir noch einmal den Arno auf einer mittelalterlichen Brücke, der „Ponte a Buriano“. Dieses unscheinbare, einspurige Brücklein, das von der Straße „Via Setteponti“, der wir den ganzen Tag über gefolgt sind, passiert wird, hat aber fast jeder schonmal gesehen, wenn auch nicht bewusst. Es befindet sich im Hintergrund der „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci. Dort sind übrigens auch einige Sandsteinformationen der Balze zu sehen.

Die Provinzhauptstadt Arezzo selbst ist ausgesprochen schön, im Vergleich zu Siena oder Assisi, die wir in den letzten Tagen besucht haben, aber absolut ruhig. Nun ist der Himmel auch ein wenig grau aber trotzdem geht es mit unserer Reiseleiterin auf Stadterkundung. Wir sehen Teile der alten Stadtmauern, die Dominikanerkirche mit ihrem berühmten Kreuz des Künstlers Cimabue, das Rathaus „Palazzo Communale“, die Kathedrale, die Kirche San Francesco und viele weitere historische Gebäude. Wir wandeln sozusagen aus der Zeit der Etrusker über die Römerzeit und das Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.

Auf der „Piazza Grande“, dem Hauptplatz, erfahren wir Wissenswertes über das Reitturnier der Stadt, das wie in Siena zweimal jährlich stattfindet. Auch hier kämpfen die Stadtbezirke um die Ehre und in Arezzo um eine goldene Lanze. Mit einer Holzlanze muss dafür der Schild eines Holz-Ritters vom Pferd aus getroffen werden. Je genauer der Treffer, umso mehr Punkte bekommen die Reiter. Haken: Wer nicht schnell genug ist, wird von den drei Lederkugeln in der anderen Hand der Figur getroffen. Das gibt Abzüge. Der Stadtbezirk, der gewonnen hat, schmückt sich aus, feiert entsprechend und stellt die goldene Lanze in einem kleinen Museum aus. Man kann sich kaum vorstellen, wie dieses Turnier auf dem gar nicht so großen Platz stattfindet. Das Ambiente jedenfalls ist wunderschön mittelalterlich.

Zum Schluss (die Füße tun schon ein wenig weh) gehen wir noch in den Dom. Neben der Geschichte und einigen Legenden erfahren wir auch von Papst Gregor X., der im 13. Jahrhundert auf der Rückreise von Lyon nach Rom in Arezzo verstarb. Er hat noch auf dem Totenbett neue Regeln für die Papstwahl erlassen, die noch heute gelten und wurde im Dom von Arezzo bestattet.

Nach dem anstrengenden Tag freuen wir uns auf das Abendessen im Hotel.

Euer Reisezauberer