Saisoneröffnung Spreewald/Lausitz/Oberlausitz, Tag 4

Heute heißt es Abschied nehmen von Cottbus. Der Himmel weint ein wenig, aber im Laufe des Tages soll es ja besser werden. Aber Reisen mit der Kleinen Hexe haben am Abreisetag immer noch ein wenig „Programm“.

So sind wir zur Mittagspause in Brandenburg an der Havel, mittlerweile lacht auch die Sonne wieder. Wir haben Zeit zur freien Verfügung und entscheiden uns für eine Gaststätte an der Havel. Gegenüber liegt eines der ehemaligen BuGa-Gelände. Man merkt schon, dass sich hier im Zuge der Gartenschau einiges getan hat. Auch den Sonntagmittag merkt man, denn die Brandenburger scheinen noch in den Federn zu liegen. Aber der kleine Snack ist lecker und die Sitzplätze auf der Havelterrasse sind echt toll. Nebenan kann man Havelflöße mieten. Überhaupt ist man als Hamelner etwas neidisch auf die Verbindung zwischen Stadt und Wasser. Wir gehen wieder zum Bus, der direkt an der Gedenkstätte für die Euthanasie-Opfer aus der NS-Zeit steht. Macht nachdenklich.

Weiter geht es auf der Autobahn gen Helmstedt. Kurz vor dem Ziel weichen wir dem ersten Stau des Wochenendes aus. Ist aber kein Problem. Wir müssen nur über die alte B1 in die Stadt fahren. Am Markt treffen wir unsere Stadtführerin, die uns mit Geschichte und Geschichten über Helmstedt und seine alte Universität unterhält. Wir schlendern danach zurück zum Bus, gönnen uns noch ein Eis und legen entspannt die letzten Kilometer zurück. Es war eine wirklich schöne Fahrt, auch wenn sich der eine oder andere Knochen im Leib meldet.

Euer Reisezauberer

Saisoneröffnung Spreewald/Lausitz/Oberlausitz, Tag 3

Unser dritter Tag für uns zunächst tief in das Lausitzer Braunkohlerevier. Wir fahren zum Besucherbergwerk „F60“ bei Lichterfeld. Es ist kein gewöhnliches Bergwerk sondern eine Förderbrücke, mit der hauptsächlich der Abraum des Tagesbaus Klettwitz-Nord bewegt wurde. Über 500 Meter lang und am höchsten Punkt 80 Meter über der Erde (Aussichtspunkt: 74 Meter). 11.000 Tonnen Stahl mit kurzer Geschichte, denn die Anlage ist nur 15 Monate in Betrieb gewesen. Mit der Umstellung vieler Heizungen auf andere Brennstoffe als Braunkohlebriketts wurde der Tagebau geschlossen. Wir machen uns auf die insgesamt 1.300 Meter Fußweg über den Stahlgiganten. Bis auf die ersten Abschnitte mit vielen Stufen ist der Aufstieg nicht beschwerlich. Unsere Führerin erklärt die Anlage toll und mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht besser. Im Anschluss an die Führung treffen wir uns zu zünftiger Gulaschsuppe in der Kantine der „F60“ (die Bezeichnung kommt übrigens von der Förderhöhe von 60 Metern). Die Anlage, der „liegende Eiffelturm der Lausitz“, ist wirklich eine einmalige Attraktion, auch wenn die Geschichte der Industrie in der Lausitz nicht ganz glücklich ausgeht.

Von Lichterfeld aus fahren wir entlang der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen nach Bad Muskau. Hier liegt das Stammschloss des Fürsten Pückler, dem wir nicht nur das berühmte Speiseeis sondern auch einen wunderschönen, großen Landschaftspark verdanken. Wir schlendern geführt eine Weile durch den Park, der sich beiderseits der Neiße erstreckt und damit heute zum Teil in Polen liegt. Aber in diesem Jahrtausend wurden die beiden Brücken erneuert, so dass man problemlos die Flussseiten wechseln kann. Auch das Schloss ist erst in jüngster Zeit wieder aufgebaut worden. Davor hat es viele Jahre als Brandruine dagestanden.

Nicht weit vom Park befindet sich der Bahnhof der Muskauer Waldbahn. Diese Schmalspurbahn war früher eine reine Gütereisenbahn, weshalb der Begriff „Bahnhof“ etwas zu relativieren ist. Kein Stellwerk, kein Shopping-Center, sondern einfach ein paar Gleise im Gras. Nachdem in den Siebzigerjahren der kleinteilige Braunkohleabbau in dieser Region aufgegeben wurde, stand die Bahn erstmals vor dem Aus. Tontransporte für eine Ziegelei brachten weitere 15 Jahre Betrieb. Aber auch hier war nach der Wende Schluss. Bereits nach der ersten Krise haben Eisenbahnfreunde begonnen, nicht mehr benötigte Materialien zu sammeln und so begann nach der Stilllegung die Umstellung auf Museumsbetrieb. Erst seit der erneuten Betriebsaufnahme gibt es überhaupt Personenwaggons. Und so zuckeln wir heute mit maximal 20 Km/h die Strecke von Bad Muskau nach Weißwasser und nachdem die Lok umgesetzt hat (und ein paar Fotos geschossen waren) weiter nach Kromlau. Hier hat uns unser Bus wieder aufgelesen für die Rückfahrt nach Cottbus. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Euer Reisezauberer

Saisoneröffnung Spreewald/Lausitz/Oberlausitz, Tag 2

Früh geht es los, denn der Tag wird lang. Wir fahren von Cottbus aus nach Süden, vorbei an den Kraftwerksanlagen von Schwarze Pumpe nach Bautzen. Dort lesen wir unsere Reiseleiterin auf und sie zeigt uns die wunderschöne Altstadt. Wir sehen den schiefen Reichenturm (schiefer als Pisa), die verschiedenen Stadtviertel (früher nach arm und reich unterschieden) und die Petri-Kirche. Eigentlich müsste man Petrikirchen sagen, denn beide Konfessionen teilen sich seit der Reformation das Gotteshaus. Ein hüfthoher Zaun (früher bis zu 4 Meter hoch) trennt den katholischen vom evangelischen Teil. Jeder hat einen eigenen Altar und eine eigene Orgel. Weiter geht es zur Burg, in der das sächsische Oberverwaltungsgericht, ein Theater und das sorbische Museum untergebracht sind. Aber allein von den historischen Gebäuden her ist es hier besonders schön.

Es gäbe noch genug Stoff für weitere Stunden in Bautzen aber wir kaufen noch etwas Bautzener Senf und machen uns auf den Weg nach Löbau. Zunächst sehen wir noch innerhalb des Bautzener Stadtgebiets (und mitten im Wohngebiet) die Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses. Ein bisschen gruselig ist das schon, wenn man sich überlegt, dass Regimegegner nach langer Irrfahrt durch die damalige DDR mit Kleinbussen hierher gefahren und in der Halle „entladen“ wurden. Da ist uns der Reisebus mit freiem Geleit doch lieber.

In Löbau verbringen wir die Mittagspause im Gasthof Honigbrunnen. Er liegt am Löbauer Berg und man hat von hier aus einen fantastischen Blick in die Lausitz (und auf die Dampfwolken der drei großen Braunkohlekraftwerke). Wie mag das ausgesehen haben, als noch die zigfache Menge an Kraftwerkblöcken ungefilterten Dreck in die Atmosphäre geblasen haben? Das leckere Essen mit Auswahl aus 7 Gerichten nehmen wir mit der gleichen schönen Aussicht zu uns.

Nach dem Essen geht es nach Görlitz, in die östlichste Stadt Deutschlands. Hier findet man das vollständigste Ensemble aus Gründerzeit- und Jugendstilhäusern, das es gibt. Görlitz ist heute noch geteilt, denn die Neiße trennt die Stadt von ihrem Ostteil, dem heute polnischen Zgorzelec. Aber die Brücken zwischen den beiden Teilen sind offen und so wechselt man heute wieder problemlos über die Neiße.

Eine der Hauptattraktionen der Stadt, das Jugendstilkaufhaus, kann man aktuell leider nicht besichtigen. Hoffen wir, dass es dem aktuellen Investor gelingt, diese Besonderheit wieder zu nutzen zugänglich zu machen. Aber die Sonnenorgel in der Stadtkirche St. Peter und Paul schauen wir uns an. Ein Kleinod aus 6.095 Pfeifen, erst in jüngster Zeit für insgesamt 1,5 Mio. Euro restauriert. Die Stadterkundung läuft übrigens zur Hälfte als Rundfahrt mit dem Bus und zur anderen Hälfte als Rundgang. Da unser 13-Meter-Reisegefährt in einer engen Straße von einem Baucontainer blockiert wird, geht der Rundgang einfach in der Nähe des Neißeufers los und parallel dazu wird der Bus aus der Engstelle operiert. Es bleibt etwas Zeit zur freien Verfügung in Görlitz, bevor wir über Niesky zum Hotel zurückfahren. Unsere Gästeführerin steigt in Weißkeißel, einem Ort an der Strecke, aus und wird freuen uns schon auf den Ausklang des Abends im Hotelrestaurant.

Euer Reisezauberer

Saisoneröffnung Spreewald/Lausitz/Oberlausitz, Tag 1

Los geht das Reisejahr traditionell mit einer Saisoneröffnungsfahrt. Dieses Jahr geht es gen Südosten. Unsere erste Etappe führt uns in den Spreewald, genauer gesagt nach Lübben.

Nachdem ein großer Teil der Anreise bei schönem Sonnenwetter stattfand, hatten wir bei der Fahrt auf dem Spreekahn weniger Glück. Aber die Regentropfen konnten uns den Ausflug zu Wasser nicht vermiesen. Bei Schmalzstullen und Spreewaldgurken befuhren wir einige der vielen Wasserwege in und um Lübben, die Kreisstadt der Gegend, mit einem traditionellen Spreekahn. Davon gibt es hunderte alleine in Lübben, nicht alle sind allerdings so komfortabel wie die Ausflugskähne ausgestattet: Mit Tischen, gemütlichen Holzbänken und Decken (ganz wichtig bei dem Wetter!). Drei Mal werden wir geschleust und an einigen Brücken heißt es: Köpfe einziehen!

Aber wir sind froh, nach knapp 2 Stunden wieder im geheizten Bus zu sitzen. Entlang des südlichen Randes des Spreewaldes geht es weiter nach Cottbus, in die zweitgrößte Stadt Brandenburgs. Nach dem Einchecken in Lindners Congress-Hotel werden wir vom original Cottbuser Postkutscher abgeholt. Den über alle Grenzen bekannten Zungenbrecher „Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten…“ beherrscht er perfekt und gibt ihn auch gleich zum Besten. Dann nimmt er uns mit auf einen Rundgang durch die Innenstadt, wobei: Wir stehen meist mehr als wir gehen, denn der Postkutscher erzählt dolle Geschichten und ein Bisschen „Seemannsgarn“ ist auch dabei. Aber ganz nebenbei erfahren wir etwas über die Stadt Cottbus, ihre Geschichte und über die slawische Urbevölkerung. Jedenfalls vergingen die zwei Stunden wie im Fluge.

Wieder zurück im Hotel erwartet uns ein leckeres, dreigängiges Abendessen im Hotelrestaurant. Auch wenn es eigentlich nur der Anreisetag war: Nicht schlecht für den Anfang.

Euer Reisezauberer