Oberitalien, Tag 5

Heute geht es gen Süden, in die an das Veneto angrenzende Emilia Romana. Zunächst fahren wir aus Padua heraus Richtung Küste. Unsere Gästeführerin erklärt und gleich noch einiges zu unserem Übernachtungsort Padua, der geplanterweise aber unverdient bei dieser Reise etwas in den Hintergrund rücken muss.

An Chiogga am südlichen Ende der Lagune von Venedig vorbei fahren wir die alte Römer und Pilgerstraße „Romea“ (Heute Staatsstraße 308) durch das Po-Delta und vorbei an vielen berühmten Adria-Badeorten (Alle heißen „Lido“, wie in Venedig) nähern wir uns Ravenna. Unsere Gästeführerin nutzt die Anfahrt für eine Parforce-Ritt durch die reiche Geschichte Ravennas. Die meisten Fakten haben etwas mit der Zeit zu tun, als die Stadt Hauptstadt des weströmischen Reiches war. Viele kulturell interessante Gebäude sind daher auch weit über 1.000 Jahre alt.

Bevor wir Ravenna erreichen, machen wir einen kurzen Zwischenstopp in Pomposa, dessen Kirche zu den meistbesuchten Denkmälern Italiens zählt. Wie so oft bei Busreisen ist die Unterbringung des großen Fahrzeugs nicht so einfach. Wir steigen am Bahnhof aus und gehen eine Viertelstunde zu Fuß bis zum Hauptplatz, der Piazza del Popolo.

Nach einer kurzen Mittagspause stößt eine einheimische Gästeführerin zu uns, denn die Gästeführer aus dem Veneto dürfen seit einigen Wochen nicht mehr in der Emilia-Romana führen. Auch Italien macht komische Vorschriften…

Wir sehen während unserer Führung nacheinander die Hauptsehenswürdigkeiten die Basilika San Vitale, die Basilika Sant´Apollinare Nuovo, das Baptisterium und von außen das Mausoläum der Galla Placica und lernen die historische Innenstadt kennen. Wir stellen fest, dass Ravenna zu Recht die Hauptstadt der Mosaike genannt wird. Aus allen möglichen Epochen, natürlich auch sehr viel aus der spätrömischen Zeit, schmücke prachtvolle Mosaike die Kirchen und an deren wichtigen Gebäude.

Auch wenn uns von der Abfolge der Herrscher, die sich in Ravenna verewigt haben (Römer, Ostgoten, Langbarden etc.) ein wenig der Kopf brummt, war es ein beeindruckender Besuch im berühmten Ravenna.

Unser Tagesausflug führt über die Autobahn zurück nach Padua. Hier gibt es weniger zusehen und für unsere Gästeführerin weniger zu berichten. Erst kurz vor Padua meldet sie sich wieder, um die Besonderheiten der Euganeischen Hügel zu erklären und uns auf die am südlichen Stadtrand Paduas über die Jahrhunderte entstandenen Villen (teilweise mit weit über 100 Zimmern) hinzuweisen. Wir setzen sie an der Mautstation ab, fahren über die Staatsstraße 16 (Adriatica  genannt) zurück zum Hotel und lassen den Abend bei einem leckeren Abendessen ausklingen.

Euer Reisezauberer

Oberitalien, Tag 4

Heute wird es klassisch touristisch, denn wir fahren nach Venedig. Vom Übernachtungsort Padua aus geht es per Bahn – der Bahnhof liegt vis à vis zum Hotel – in einer halben Stunde nach Venedig Santa Lucia, dem Hauptbahnhof Venedigs, direkt am Canal Grande. Praktisch, ohne hohes Verkehrsaufkommen und ohne Parkplatzabzocke. Auf der anderen Seite des Kanals fährt unser Bootstransfer ab. Er bringt uns außen um die Stadt herum und man erhält einen Eindruck von der vielen Arbeit, die nötig ist, um das Weltkulturerbe Venedig zu erhalten, denn Meer, Schiffsverkehr und Besucher setzen den Gebäuden und Kanälen zu. Wir landen vier Brücken entfernt von der Piazza San Marco mit ihren berühmten Bauwerken.

Zwischen den charakteristischen Säulen an der Piazza erwartet uns unsere Stadtführerin. Charmant und kundig führt sie uns durch Venedig und zeigt uns auch ein paar Ecken, in denen es nicht von Touristen wimmelt. Aber zunächst ist San Marco dran mit Dogenpalast, Markuskirche, Campanile und Uhrenturm. Durch die Arkaden schlängeln wir uns weiter in westlicher Richtung. Wir sehen das Theater de la Fenice („Phönix“). Ironie der Geschichte: Nach der Namensgebung ist es zweimal abgebrannt und wurde quasi „aus der Asche“ wieder aufgebaut. Etwas weiter liegt der Palazzo Fortuny, heute ein Museum. So durchqueren wir die Stadt über Brücken und durch Gassen bis wir wieder am Canal Grande herauskommen, und zwar in Sichtweite der Rialtobrücke, die leider eingerüstet ist und renoviert wird. Überhaupt vergeht in Venedig kein Tag ohne Sanierungsarbeiten.

An der Rialto, auf der früher wie heute auch gehandelt wurde und wird, trennen wir uns. In der Zeit zur freien Verfügung kann jeder sein persönliches Venedig-Programm gestalten. Die freie Zeit endet wieder bei San Marco, denn wir müssen ja mit dem Boot zurück zum Bahnhof. Auf unserem Weg zum Bootssteg können wir einen Blick auf die berühmte Seufzerbrücke werfen. Sie heißt so, weil die Gefangenen in der Dogenzeit hier oft zum letzten Mal das Tageslicht zu sehen bekamen.

Bei deutlich rauherer See geht es zurück zum Bahnhof und der Bootsführer lässt uns sogar auf der richtigen Kanalseite heraus, so dass wir nach wenigen Schritten auf dem Bahnsteig ankommen. Wiederum eine halbe Stunde „Regionale Veloce“ später sind wir wieder in Padua. Ein wirklich interessanter Tag, wenn auch dem einen oder anderen die Füße etwas qualmen.

Euer Reisezauberer

Oberitalien, Tag 3

Heute erkunden wir Triest. Unsere Stadtführerin holt uns am Hotel ab und wir erfahren zunächst, dass Triest immer sehr viele Schriftsteller angezogen hat. Diese haben sich hier von der Adriaküste, von den Konditorerzeugnissen und vom Wein inspirieren lassen. Triest war aber immer auch ein Schmelztigel, was man allein an den verschiedenen Konfessionen ablesen kann. Es gibt katholische, evangelische, griechisch- und serbisch-orthodoxe Kirchen, eine Synagoge und immer noch eine Menge Nationalitäten. Im Verlauf unseres Rundgangs kommen wir immer wieder darauf zurück.

Wir laufen entlang des noch von den Österreichern eingerichteten Freihafens, kommen vorbei am ehemaligen Flugboothafen, von dem aus die erste regelmäßige Linienflugverbindung Italiens eingerichtet wurde und machen eine Pause an der Piazza dell’Unità d’Italia. Der Name ist insoweit treffend, weil sich hier das Rathaus (kommunal), die Region Friaul-Julisch Venetien (regional) und die Präfektur der Regierung (national) auch als Gebäude gegenüberliegen. Heute wird der Platz oft für Veranstaltungen genutzt. Wir können eine Weile bei einem Volleyballturnier für Kinder und Jugendliche zusehen. Aber es gibt auch zahllose Cafés, teilweise im Wiener Stil, so dass hier jeder seine ganz persönliche Kaffeepause bekommt.

Bevor es weiter geht, gucken wir noch auf das vierte entscheidende Gebäude am Platz: Die Verwaltung des Lloyd Triestino (früher österreichischer Lloyd), zunächst eine Versicherung und später das bedeutendste Schifffahrtsunternehmen der Doppelmonarchie.

Vorbei an der Börse und diversen Wahlkampfständen gehen wir quer zur Piazza Oberdan. Hier beginnt die Straßenbahn nach Opicina, eigentlich ein Verkehrsmittel für den täglichen Bedarf, aber eben ein besonderes. Die Triebwagen sind aus den 30er und 40er Jahren und ein Teil der Strecke wird als Standseilbahn betrieben, die Wagen werden also mit einem angehängen Spezialwagen bergauf gezogen. Eine geruhsame und etwas rappelige Angelegenheit. Die Strecke wird im 20-Minuten-Takt bedient, damit sich die Treibwagen immer an den vorgesehenen Stellen begegnen können. Ende der Strecke ist etwas außerhalb von Triest in Opicina, nahe der slovenischen Grenze. Im oberen Streckenabschnitt hat man fantastische Aussicht auf den Golf von Triest und die Stadt selbst. Und wir haben auch noch das richtige Wetter dazu erwischt. Ein tolles Erlebnis.

Wieder runter vom Berg endet unsere Fahrt an der Piazza Oberdan (durch die Anwesenheit nationalsozialistischer Organisationen im zweiten Weltkrieg auch „Klein Berlin“ genannt). Wir gehen von hier aus zum Hotel zurück, holen unser Gepäck und fahren mit dem Bus weiter nach Padua. In dem Moment, in dem sich die Bustür schließt, beginnt es zu regnen. Mehr „Schwein“ kann man kaum haben.

Nachdem wir im altehrwürdigen Hotel Grand´Italia in Padua eingecheckt haben, lassen wir den Abend bei einem guten Abendessen ausklingen.

Euer Reisezauberer

Oberitalien, Tag 2

Von München aus geht es quer durch die Alpen. Wir fahren bei Regenwetter vorbei am Chiemsee und an Salzburg bis in die Tauern-Region. Hier klart der Himmel auf und gibt den Blick frei auf die vielen 2000er links und rechts der Autobahn. Auf einigen besonders hohen Gipfeln liegt sogar noch Schnee. Und wo er schon geschmolzen ist, da plätschert er als türkisgrüner Gebirgsfluss durch die Täler. Sehenswert.

Hinter Villach überqueren wir die Grenze nach Italien, genauer gesagt zum Friaul. Eine erdgeschichtlich interessante Region, die auch immer mal wieder von kleineren Erdbeben heimgesucht wird. Italien schiebt sich halt immer noch langsam nach Norden. Wir passieren die Provinzhauptstadt Udine und fahren weiter Richtung Triest. Kurz vor der Stadt wechseln wir von der Autobahn auf die Küstenstraße und von einer auf die andere Minute liegt die Adria vor uns. Der Blick ist toll, was auch von hunderten sonnenbadenden Einheimischen bestätigt wird. Das Meer ist voller großer und kleiner Boote und Schiffe und so wird gleich klar, wie Triest zu seiner Bedeutung kam: Der Hafen war schuld.

Schuld war er auch daran, dass sich Österreich-Ungarn vor einem Jahrhundert eine eigene Marine geleistet hat, denn die die Stadt gehörte damals zur Doppelmonarchie. Und sie lebt auch heute noch vom Flair einer Grenzstadt nach Slovenien.

Da unser Hotel (außen klassisch, innen topmodern) kein eigenes Restaurant hat, gehen wir gut 50 Meter nach gegenüber. Dort empfängt uns die Bracerie Venete. Hier wird auf offenen Holzfeuer Fleisch gegrillt und uns zusammen mit ebenfalls gegrilltem Gemüse serviert. Superlecker und vor allem unheimlich viel. Wir sitzen noch eine Weile zusammen und der eine oder andere aus der Gruppe schlendert danach noch durch die warme Sommernacht von Triest. Unser Beispiel: Gläschen Rotwein an der Piazza Goldoni, serviert mit Mini-Sandwiches, Oliven und Knabberkram. Da lässt sich sogar der abendliche Verkehrslärm aushalten. Und morgen sehen wir uns die Stadt bei Tageslicht an…

Euer Reisezauberer

Oberitalien, Tag 1

Die Geschichte unseres ersten Tages ist schnell erzählt: Anreise! Aber so einfach wollte es uns die Autobahn dann doch nicht machen. Der Wettergott ließ zwischendurch mehrfach Regen auf den sonst so sonnigen Tag fallen und rund 50 Km vor dem Tagesziel fuhren wir auch in den „erwarteten“ Stau. Zwar entpuppte sich der angeblich liegengebliebene LKW als heißgefahrener Kleinwagen. Aber dennoch fraß er etwas an unserer Zeit.

Als wir aber im Hotel Bauer in Feldkirchen bei München ankamen, war alles wieder gut. Großzügige Zimmer, prima Service und ein sehr leckeres Abendessen ließen die 650 Km seit der Abreise vergessen. Der Abend klang bei den meisten dann auf der Restaurantterasse aus.

Morgen geht es weiter durch die Alpen.

Euer Reisezauberer