Kurzreise Warschau, Teil 2

Unser dritter Reisetag führt uns in das südliche Warschauer Umland. Hier befindet sich eines der größten Obstanbaugebiete Europas. Apfelplantagen soweit das Auge reicht und dazwischen immer noch andere Gewächse, die man in den Ortschaften oft auch an toll sortierten Obstständen kosten kann. Wir treffen eine Obstbauernfamilie und erfahren eine Menge über das harte Geschäft, denn traditionell geht ein großer Teil des Obstes nach Russland, aktuell deutlich erschwert durch das Embargo.

Leider verlief entlang der Weichsel, die die Gegend im Osten begrenzt, während der Endphase des zweiten Weltkriegs die Frontlinie. So haben nur wenige ländliche Gebäude den Krieg überdauert. In Gora Kalwaria und Warka kann man noch ein paar bestaunen. Schön zurechtgemacht ist in Warka das Herrenhaus, in dem der Nationalheld Kazimierz Pułaski aufgewachsen ist. Er war zunächst Held des polnischen Widerstands gegen einen auf Russland ausgerichteten König und später kämpfte er im amerikanischen Bürgerkrieg. Hier gibt es einen herrlichen Park und eine angeblich wundertätige Marienstatue.

Auf dem Rückweg geraten wir tatsächlich in einen Stau auf dem Land (es ist Sonntag!), der wieder beweist, wie problematisch hier die Straßenverhältnisse sind. Immerhin begleiten uns die Obstplantagen bis fast zum Hotel.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns am Folgetag auf den Heimweg. Unter Umgehung Warschaus fahren wir wieder durch das Obstanbaugebiet über Grojec (hier gibt es im Frühjahr ein bekanntes Apfelblütenfest) Richtung Autobahn.

Wieder in Deutschland legen wir eine Pause in Bad Saarow ein. Nah an der Autobahn ist die Gegend reich an Wasserflächen. Wir essen einen Happen mit Blick auf eine Wakeboard-Strecke und schauen den Sportlern bei ihrem nassen Hobby zu. Hier merkt man schon deutlich den Einfluss Berlins.

Euer Reisezauberer

Kurzreise Warschau, Teil 1

Polen ist ein tolles Reiseland. Etwas unterrepräsentiert ist dabei die Hauptstadt Warschau. Das liegt sicher auch an den extremen Zerstörungen im zweiten Weltkrieg, die kaum Gebäude im Originalzustand übrig gelassen haben. Breslau oder Krakau haben es da leichter. Auch das Umland ist kein klassisches Reiseziel. Wir wollten das ändern.

Wir fahren über die Autobahn in die polnische Hauptstadt. Die Strecke ist lang und bietet keine berichtenswerten Highlights. Vor Ort checken wir in einem kleinen Hotel am Stadtrand ein, um am dritten Tag nicht durch die City fahren zu müssen. Die Verkehrsbelastung ist nämlich enorm. Das Straßenetz ist für die heutigen Verkehrsmengen nicht ausgelegt. Den Abend beschließen wir in einem polnischen Restaurant keine 100 Meter vom Hotel. Leckere und preiswerte Küche ist ein echter Vorzug unseres Nachbarlandes.

Der zweite Tag gehört Warschau. Am Łazienki-Park, mit 80 ha der größten Parkanlage der Stadt. Überhaupt hat Warschau unheimlich viel Grün zu bieten. Der Łazienki-Park stammt aus dem 18. Jahrhundert. Man findet dort ein Schloss, verschiedene andere historische Gebäude, Teiche (sogar mit eine Art Gondeln für Touristen) usw. Nicht weit vom Park befindet das einzige Viertel, dass den Krieg überdauert hat. Hier waren in den Vierzigerjahren die Angehörigen der Deutschen Verwaltung untergebracht. So bieben die Häuser verschont. Na ja, man kann z.B. an der ehemaligen Gewerbeschule noch Original Einschusslöcher sehen. Beklemmend.

Wir fahren weiter durch Warschau, sehen den ungeliebten Kulturpalast (ein Geschenk Stalins) und kommen an einigen Kirchen vorbei, die „stehengeblieben“ sind. Nicht ganz, denn ein Exemplar wurde ganze 23 Meter verschoben, um Platz für eine breite Straße zu machen. Ansonsten ist Warschau eine moderne, lebhafte und von mehreren hunderttausend Studenten geprägte Stadt.

Richtig historisch sieht die Altstadt „Stare Miasto“ aus. Samt und sonders Häuser in der Optik des 18. Jahrhunderts. Aber alles Nachbauten. Als nach dem Krieg die Stadt im Stil des sozialistischen Realismus aufgebaut werden sollte, setzte man hier einen Kontrapunkt und zeigte das Leben 200 Jahre zuvor. Entstanden ist eine tolle Altstadt mit viel Gastronomie, kleinen Geschäften, Straßenmusik usw. Wir schlendern ein wenig die Straßen entlang und genießen die abendliche Stimmung eines tollen Herbsttages.

Euer Reisezauberer