Frankreichs Norden: Das Landesinnere

Gruppenreisen mit dem Bus nach Frankreich sind beliebt, denn Frankreich ist ein unheimlich vielfältiges Reiseland. Einziger Haken: Je nach Zielregion ist man ganz schön lange unterwegs. Wir haben es daher mit dem äußersten Norden versucht, den man über die Niederlande und Belgien in einer Tagesetappe erreichen kann.

Unser Ziel- und Übernachtungsort heißt Arques, vielen vielleicht bekannt über die Tafelgläser der Marke „Cristall d´arques“, denn hier ist der Weltmarktführer in Tafelgläsern ansässig. Natürlich gibt es einen (ziemlich riesigen) Werksverkauf, der auch gut besucht wird.

Prägend für die knapp 10.000 Einwohner zählende Gemeinde im Département Pas de Calais ist allerdings das Wasser. Quer durch den Ort verläuft der Canal de Neuffossé, ein Teil des Schifffahrtsweges von Dünkirchen zur Schelde. In Arques verzweigt sich der Kanal in einen alten und einen neuen Teil. Als der neue Teil 1967 in Betrieb genommen wurde, hat man auch das Schiffshebewerk „L´ascenseur des fontinettes“ stillgelegt. Es ist heute noch vorhanden und ein einmaliges Bauwerk. Leider ist der Zustand nicht gerade toll und man muss befürchten, dass hier ein technisches Denkmal auf Dauer Schaden nimmt. Aber es sind viele Teile noch im Original erhalten, z.B. zwei Treidellokomotiven. Sogar ein „passendes“ Binnenschiff steht im unteren Trog, aber es sieht leider auch schon sehr mitgenommen aus.

Wenige Kilometer kanalabwärts liegt die Stadt Saint Omer. Hier kann man toll shoppen und es gibt rund um den großen Marktplatz eine Menge Restaurants für jeden Geschmack. Das zentrale gelegene Rathaus aus dem in der Region häufig anzutreffenden fast weißen Stein wird gerade wieder hübsch gemacht, was man vielen Gebäuden im benachbarten Arques auch wünschen würde. Ebenso sehenswert ist die Ruine der Abtei Saint Bertin.

In Nordfrankreich haben sich die deutschen Streitkräfte im wahrsten Wortsinn vereweigt. Überall – insbesondere an der Küste – findet man Hinterlassenschaften aus Beton. Teilweise sind es Reste des Atlantikwalls, der die alliierte Invasion aufhalten sollte, teilweise sind es Überreste von Waffensystemen zum Beschuss der nur gut 30 Kilometer jenseits des Ärmelkanals gelegenen britischen Insel. Ein besonders beeindruckender Vertreter dieser Art ist „La Coupole“, die Kuppel. Hier sollten V2-Raketen montiert, betankt und auf die todbringende Reise nach London geschickt werden. Allerdings war der alliierte Vormarsch schon soweit vorangekommen, dass die Anlage nie in Betrieb ging. Stattdessen wurde das Areal nach dem Krieg von den Briten gesprengt. Die Kuppel blieb aber intakt und ist heute ein beeindruckendes Museum. Man muss ungefähr 2 Std. Zeit mitbringen und kann beide Ausstellungsteile über die Besetzung Nordfrankreichs und über die Raketentechnik erleben.

Weitere Reiseberichte über Nordfrankreich folgen in loser Reihe.

Euer Reisezauberer