Kranichrast an Ostsee und Bodden, Tag 2

Ich werde früh wach und denke darüber nach, was der Tag bringen mag. Heute werden wir die riesigen Kraniche hoffentlich zu Hunderten sehen und erleben. Meine Neugierde gilt aber erst einmal dem Ort in dem ich übernachtet habe. Und so mache ich mich auf zur Seebrücke, es sind nur wenige Minuten vom Hotel.

Die Nacht ist noch nicht ganz vorbei und der Tag beginnt langsam. Als ich die Seebrücke erreicht habe ist es bereits so hell, dass man alles sehen kann. Eine frische Seeluftbrise umgibt mich, herrlich duftet es nach Meer. Möwen krächzen, Wellen schlagen seicht gegen die Seebrückenplanken. Es entspannt mich und gibt ein gutes Gefühl. Rasch nehme ich noch etwas Sand in einer Tüte mit, um Zuhause ein Bild mit dem Schriftzug „Graal-Müritz“ schießen zu können.

Am Ende der Seebrücke mit Beginn des Strandes lerne ich einen Einheimischen und seinen jungen Hund kennen. Wir reden über Hunde und ihre Erziehung und die gute Luft hier vor Ort. Er erzählt mir von einem Jungen der Herzkrank ist und hier mit seiner Mutter viel Zeit bei einer Kur verbracht hat. Am Ende der Kur war er medikamentenfrei und so haben die Eltern entschieden dauerhaft hier her ans Meer zu ziehen. Sie haben ihr Leben zum Wohle ihres Kindes an die Ostseeküste verlegt. Was für eine schöne Geschichte. Ich mache mich auf den Weg zum Hotel, habe ja noch nicht gefrühstückt. Eine Tasse Kaffee,  knackige Brötchen und meine lieben Gäste empfangen mich im Hotel.

Wir brechen auf zum Kranich-Informationszentrum des Nabu in Groß Mohrdorf. Die vielen Informationen unseres Gästeführers eingebunden in lustige Geschichten gefallen allen sehr. Wir sehen einen tollen Film über Kraniche und diskutieren mit ihm über das Kranichdasein, die Flugrouten, die Ernährung usw.

Fakten:

  • jährliche Kranichmenge in den Vorjahren 50.000 – 70.000, 2019 waren es aufgrund des frühen Wintereinbruchs in Skandinavien 86.000.
  • Kraniche erreichen eine Flughöhe von 300-1500 m und Geschwindigkeiten von 50-100 km/h.
  • Die Körpergröße beträgt zwischen 1,00 m bis 1,30 m.
  • Kraniche brüten 30 Tage. Die Jungen sind Nestflüchter und verlassen schon nach wenigen Stunden das Nest.
  • Kraniche ernähren sich hauptsächlich von Insekten, was aufgrund der menschlich geschaffenen Monokulturen immer schwieriger wird, denn die Insekten verschwinden.
  • Auch die Trockenheit macht den Tieren zu schaffen, Frösche und Schnecken gibt es zu wenige.
  • Die Kraniche werden mit Weizen und Mais gefüttert, damit sie die umliegenden Felder nicht plündern.
  • Die Brutbestände sind gefährdet. In 100 Jahren soll es laut Forschern keine Kraniche mehr geben.

Und dann folgen Tatsachen. Wir fahren vom Infozentrum zum Kranorama, einem Aussichtsturm um Kraniche zu beobachten. Es sind leider nur wenige auf den Wiesen zu sehen. Unser Kranich-Rancher ist sehr fachkundig und schießt für jeden von uns noch ein Handybild mit Hilfe seines Fernrohres. Er gibt uns noch einen Tipp mit auf den Weg, das Kraniche gern die frisch gemähten Maisfelder besuchen. Er behält Recht, denn auf dem Weg nach Zingst sehen wir hunderte von Kranichen auf den Feldern. Das gibt gutes Fotomaterial.

Zingst ist für uns eine Zwischenstation um noch einmal einen Blick auf das Meer zu werfen. Einige von uns haben sich in der Tauchgondel angemeldet, einer geschlossenen Gondel für 30 Personen, die 4 m tief im Meer versenkt wird. Durch die Glasscheiben lässt sich der Meeresboden beobachten. Auch hier lernen die Gäste wieder sehr viel.

Der Sommer 2019 brachte große Feuerquallen hervor. Durch den milden Winter des Vorjahres haben Sie überlebt und fanden sehr viel Nahrung, deshalb wachsen sie entsprechend. Es gab in Zingst 2019 ca. 90 Badeunfälle durch Feuerquallen. Auch hier der Tipp des Experten der Tauchgondel: nur Salzwasser und Sand zum Abspülen verwenden. Süßwasser lässt die Haut aufplatzen. Eine Feuerqualle kann mit Tentakeln die Größe eines Wales erreichen, mehr als 35 m schaffen diese Tiere.

Wir nähern uns dem Abend und damit der Kranichbeobachtung auf dem Wasser. Unser Weg führt uns weiter nach Prerow in den Hafen. Hier liegt unser Mississippi-Raddampfer, mit dem wir die abendliche Boddenrundfahrt angehen. Das leckere Abendessen vorab und dann können wir uns dem Spektakel in der Luft widmen. Tausende von Kranichen kommen abends hierher. Sie sind auf den kleinen Inseln im Bodden bestens gegen Feinde wie Waschbären und Marder geschützt. Was für ein Anblick.

Die Rückfahrt zum Hotel erfolgt in der Dunkelheit, aber mit bestgelaunten Gästen.

Eure Reisezauberin