Kranichtour zum Uchter Moor

Kraniche sind quasi ein „Naturprodukt“. Man kann also nie genau sagen, ob man bei einer Kranichtour auch wirklich einige der majestätischen Vögel zu sehen bekommt. Wir starten trotzdem und machen einen ersten Zwischenstopp in Hille. Landgasthof Tinas Stube empfängt uns mit einem schmackhaften Wildschweinessen.

Von dort aus geht es weiter nach Essern, Ausgangspunkt der Uchter Moorbahn. Sie schaukelt uns (bitte wörtlich nehmen) ca. 3 1/2 Stunden durch das Uchter Moor. Wir bekommen aus berufenem Munde den Aufbau von Hochmooren und vor allem – brandaktuell – die Funktion für das Weltklima erklärt. Hochmoore sind nämlich tolle CO²-Speicher. Umso unverständlicher, dass die Genehmigung zum planmäßigen Raubbau an diesem wichtigen Ökosystem gerade wieder um Jahrzehnte verlängern wurden. Wer sich interessiert: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Klimakiller-Streit-um-den-Torfabbau-in-Niedersachsen,torf208.html

Wir bekommen immerhin ein paat wiedervernässte Flächen zu sehen, auf denen sich das Torfmoos und andere landschaftstypische Pflanzen wieder angesiedelt haben. Und genau hier kommen Sie heute angeflogen: Hunderte Kraniche auf dem Weg zu ihren Sammelplätzen. Sie haben auf den abgeernteten Äckern der Umgebung ordentlich gefuttert und fliegen abends in die Feuchgebiete. Damit das geordnet abläuft – Kraniche sind sehr gruppenbewusst – sammelt man sich hier und wir dürfen zuschauen. Toll.

Langsam wird es kalt und so sind wir froh, dass wir den Ausgangsbahnhof der Moorbahn wieder erreichen und ein gut geheizter Bus auf uns wartet.

Euer Reisezauberer

Kranichrast an Ostsee und Bodden, Tag 3

Der letzte Tag bricht an und nach einem tollen Frühstück fahren wir einige Kilometer in das Freilichtmuseum Klockenhagen. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Aus 18 Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns hat man hier die alten Fachwerk- und Backsteingebäude zusammen getragen und aufgebaut. Einige standen hier bereits und dem Museum ist der letzte lebende Einwohner noch sehr bekannt. Er bekam die Möglichkeit mit einem Historiker die Pläne für dieses Museumsdorf zu verwirklichen.

Unsere Gäste fühlen sich in Ihre Kindheit zurückversetzt und mit dem Geruch aus der Bäckerei sowieso. Neben der Bäckerei, dem Kräutergarten, einem Dorfladen, einem Wolllädchen und einer Korbflechterei gibt es noch viel mehr zu sehen. Den frischen Kuchen aus der Bäckerei nehmen wir uns gleich als Wegzehrung mit. Dann fahren wir los, denn auch unsere Heimat wartet schon auf uns.

Die vielen Kilometer die vor uns liegen unterbrechen wir in Ludwigslust mit einer Mittagspause und fahren über die alten Kopfsteinpflasterstraßen direkt vor das Schloss. Was für eine niedliche verschlafene kleine Stadt. Es bleibt noch etwas Zeit um einen Blick in das Schloss zu werfen oder im prunkvollen Saal die Gastronomie des Schlosses zu genießen. Hier fühlt man sich doch gleich wie eine Prinzessin.

Und dann geht die Fahrt weiter in unsere Regionen. Für mich war es wieder eine spannende Reise, bei der ich viele neue Eindrücke und Informationen über Land, Leute und Tierwelt erhalten habe. Und meinen Gästen sehe ich da, dass es Ihnen ebenso geht. Na dann bis zum nächsten Mal.

Eure Reisezauberin

Kranichrast an Ostsee und Bodden, Tag 2

Ich werde früh wach und denke darüber nach, was der Tag bringen mag. Heute werden wir die riesigen Kraniche hoffentlich zu Hunderten sehen und erleben. Meine Neugierde gilt aber erst einmal dem Ort in dem ich übernachtet habe. Und so mache ich mich auf zur Seebrücke, es sind nur wenige Minuten vom Hotel.

Die Nacht ist noch nicht ganz vorbei und der Tag beginnt langsam. Als ich die Seebrücke erreicht habe ist es bereits so hell, dass man alles sehen kann. Eine frische Seeluftbrise umgibt mich, herrlich duftet es nach Meer. Möwen krächzen, Wellen schlagen seicht gegen die Seebrückenplanken. Es entspannt mich und gibt ein gutes Gefühl. Rasch nehme ich noch etwas Sand in einer Tüte mit, um Zuhause ein Bild mit dem Schriftzug „Graal-Müritz“ schießen zu können.

Am Ende der Seebrücke mit Beginn des Strandes lerne ich einen Einheimischen und seinen jungen Hund kennen. Wir reden über Hunde und ihre Erziehung und die gute Luft hier vor Ort. Er erzählt mir von einem Jungen der Herzkrank ist und hier mit seiner Mutter viel Zeit bei einer Kur verbracht hat. Am Ende der Kur war er medikamentenfrei und so haben die Eltern entschieden dauerhaft hier her ans Meer zu ziehen. Sie haben ihr Leben zum Wohle ihres Kindes an die Ostseeküste verlegt. Was für eine schöne Geschichte. Ich mache mich auf den Weg zum Hotel, habe ja noch nicht gefrühstückt. Eine Tasse Kaffee,  knackige Brötchen und meine lieben Gäste empfangen mich im Hotel.

Wir brechen auf zum Kranich-Informationszentrum des Nabu in Groß Mohrdorf. Die vielen Informationen unseres Gästeführers eingebunden in lustige Geschichten gefallen allen sehr. Wir sehen einen tollen Film über Kraniche und diskutieren mit ihm über das Kranichdasein, die Flugrouten, die Ernährung usw.

Fakten:

  • jährliche Kranichmenge in den Vorjahren 50.000 – 70.000, 2019 waren es aufgrund des frühen Wintereinbruchs in Skandinavien 86.000.
  • Kraniche erreichen eine Flughöhe von 300-1500 m und Geschwindigkeiten von 50-100 km/h.
  • Die Körpergröße beträgt zwischen 1,00 m bis 1,30 m.
  • Kraniche brüten 30 Tage. Die Jungen sind Nestflüchter und verlassen schon nach wenigen Stunden das Nest.
  • Kraniche ernähren sich hauptsächlich von Insekten, was aufgrund der menschlich geschaffenen Monokulturen immer schwieriger wird, denn die Insekten verschwinden.
  • Auch die Trockenheit macht den Tieren zu schaffen, Frösche und Schnecken gibt es zu wenige.
  • Die Kraniche werden mit Weizen und Mais gefüttert, damit sie die umliegenden Felder nicht plündern.
  • Die Brutbestände sind gefährdet. In 100 Jahren soll es laut Forschern keine Kraniche mehr geben.

Und dann folgen Tatsachen. Wir fahren vom Infozentrum zum Kranorama, einem Aussichtsturm um Kraniche zu beobachten. Es sind leider nur wenige auf den Wiesen zu sehen. Unser Kranich-Rancher ist sehr fachkundig und schießt für jeden von uns noch ein Handybild mit Hilfe seines Fernrohres. Er gibt uns noch einen Tipp mit auf den Weg, das Kraniche gern die frisch gemähten Maisfelder besuchen. Er behält Recht, denn auf dem Weg nach Zingst sehen wir hunderte von Kranichen auf den Feldern. Das gibt gutes Fotomaterial.

Zingst ist für uns eine Zwischenstation um noch einmal einen Blick auf das Meer zu werfen. Einige von uns haben sich in der Tauchgondel angemeldet, einer geschlossenen Gondel für 30 Personen, die 4 m tief im Meer versenkt wird. Durch die Glasscheiben lässt sich der Meeresboden beobachten. Auch hier lernen die Gäste wieder sehr viel.

Der Sommer 2019 brachte große Feuerquallen hervor. Durch den milden Winter des Vorjahres haben Sie überlebt und fanden sehr viel Nahrung, deshalb wachsen sie entsprechend. Es gab in Zingst 2019 ca. 90 Badeunfälle durch Feuerquallen. Auch hier der Tipp des Experten der Tauchgondel: nur Salzwasser und Sand zum Abspülen verwenden. Süßwasser lässt die Haut aufplatzen. Eine Feuerqualle kann mit Tentakeln die Größe eines Wales erreichen, mehr als 35 m schaffen diese Tiere.

Wir nähern uns dem Abend und damit der Kranichbeobachtung auf dem Wasser. Unser Weg führt uns weiter nach Prerow in den Hafen. Hier liegt unser Mississippi-Raddampfer, mit dem wir die abendliche Boddenrundfahrt angehen. Das leckere Abendessen vorab und dann können wir uns dem Spektakel in der Luft widmen. Tausende von Kranichen kommen abends hierher. Sie sind auf den kleinen Inseln im Bodden bestens gegen Feinde wie Waschbären und Marder geschützt. Was für ein Anblick.

Die Rückfahrt zum Hotel erfolgt in der Dunkelheit, aber mit bestgelaunten Gästen.

Eure Reisezauberin

Kranichrast an Ostsee und Bodden, Tag 1

Früh am Tag machen wir uns heute auf den Weg um ein wunderbares Naturschauspiel live zu erleben und um die Natur verstehen zu lernen. Bei der Anreise sammeln wir viele nette Gäste in unterschiedlichen Orten ein und können so entspannt die Landstraßen benutzen. Wer noch etwas schlafen möchte bekommt eine Decke, kann sich einkuscheln und genießt dazu eine Tasse Kaffee mit Keksen.

In Uelzen am Hundertwasserbahnhof angekommen legen wir einen Zwischenstopp ein. Das verspielt gestaltete Gebäude von Friedensreich Hundertwasser ist schon etwas Besonderes. Diese Architektur des Künstlers begeistert unsere Gäste zutiefst und bei dem heutigen strahlenden Sonnenschein schimmert die Außenfassade die bisschen wie aus 1000 und einer Nacht.

Es geht weiter bis nach Warnemünde. Die Küstenstadt ist ein Touristenmagnet verliert aber leider in meinen Augen immer mehr von ihrem ursprünglichen Charme. Auch hier gilt, wie für alles Individuelle “ Weniger ist mehr“. Die Gäste genießen den Seeblick, das pulsierende Leben und ein leckeres Fischbrötchen. Es hat sich gelohnt.

Und nun auf zur letzten Etappe nach Graal Müritz. Wir kürzen den Weg ab und fahren durch den Warnowtunnel. Der ein oder andere bekommt im Tunnel ein beklemmendes Gefühl, aber uns kann nichts passieren, denn der Tunnel hat eine Schutzpatronin. Die heilige Barbara Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute, ist auch die Schutzheilige des Warnowtunnels. An der Tunneleinfahrt aus Richtung Lütten-Klein/ Warnemünde kann man sie entdecken.
Barbara von Nikomedien ist laut Überliefung eine christliche Jungfrau gewesen, die den Märtyrertod fand. Ihre Existenz ist jedoch nicht gesichert, beruht nur auf mündlichen Überlieferungen, die später schriftlich festgehalten wurden. Sie gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit.

Und unsere Neugierde wird noch etwas mehr befriedet, wir lernen das jedes Tunnelelement ein Rostocker Kind als Taufpaten hat: Werner, Anita, Rafael, Nadine, Ole und William – zusammen ergeben die Anfangsbuchstaben den Flussnamen Warnow. Es ist immer wieder erstaunlich, was man bei unseren Reisen alles lernen kann.

Wir erreichen unser Ziel Graal-Müritz am Hotel Störtebeker. Das alte Backsteingebäude pflegt noch seinen alten Küstencharme und wie durch ein Wunder werden wir in der Luft von den Juwelen der Küste empfangen. Ein riesiger Kranichschwarm fliegt über das Hotel, Gänsehautfeeling zu Begrüßung.

Getränkeempfang, Zimmerbezug, leckeres Abendessen. Der Tag war rund und müde gehe ich schlafen.

Eure Reisezauberin

Nienburger Spargel

Unter dem Motto „Spargel satt“ geht es häufig mit Tagesfahrten in die Regionen, in denen das schmackhafte Gemüse aus dem Boden sprießt. Wir sind in den Gegend des Nienburger Spargels gefahren (Einheimische sagen, es sei der beste der Welt…), genauer nach Uchte.

Auf dem Hof des Spargelbauern Röhrkasten verfolgen wir den Weg der Spargelstangen vom Feld bis zum Hofladen. Wer wollte, konnte unter fachkundiger Anleitung auch seine persönliche Stange Spargel aus der Erde holen. In der großen Halle geht es zu wie auf einem Ameisenhaufen. Hier wird der Spargel gewaschen, sortiert, geschält und verpackt. Die nicht verwendbaren Reste und Schalen gehen übrigens als Dünger zurück aufs Feld.

Das Highlight ist aber zweifellos das Spargelbuffet im hofeigenen Restaurant in Uchte. Spargel in Grün und Weiß, als Suppe und Salat, wahlweise mit Butter oder Sauce Hollandaise, Schnitzel, Schinken, Rührei, Kartoffeln, Kroketten und und und werden hier geboten und – damit kein Mangel herrscht – auch immer wieder aufgefüllt. Trotz großer Gästezahl geht es schnell und die Qualität ist klasse.

Nach dem Nachtisch bekommt jede/r zum Abschied noch ein Pfund Spargel geschenkt und wir machen uns auf den Weg in den Ortsteil Essern. Hier beginnt die Uchter Moorbahn, eine Feldbahn, die uns im gemächlichen 6-Km/h-Tempo durch eine großartige Natur- und Kulturlandschaft kutschiert. In ca. 2 Stunden sehen wir abgetorfte Flächen und solche, auf denen noch abgebaut wird. Aber die Natur bekommt zunehmend ihren Platz zurück, denn einige Flächen dürfen wieder bewässern und das charakteristische Torfmoos darf wieder wachsen. So entsteht 1 mm Moor pro Jahr. Ein langwieriger Prozess. Unsere kundige Führerin zeigt uns die Schönheiten dieser Landschaft und weist auch auf die Heilkräfte der hier lebenden Pflanzen hin. Nicht zu vergessen ist die Geschichte der voreinigen Jahren gefundenen Moorleiche aus der Eisenzeit.

Außer ein paar kräftigen Regenschauern, die einem aber nur außerhalb von Moorbahnloren oder Reisebus etwas anhaben können, war es ein toller Tag und wir fahren sehr zufrieden (und gesättigt) wieder nach hause.

Euer Reisezauberer